Der letzte Tag…

Donnerstag

Bin nicht sicher, ob ich erleichtert oder traurig bin.

 

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Na ok ziemlich froh, ehrlich gesagt 😛 Aber ich gebe zu, dass die Sache so gut gelaufen ist, dass es mich dazu gezwungen hat, mein Verständnis von Schönheit zu betrachten.

Vor ein paar Monaten hat eine Freundin mir ein Buch geliehen, Traum aus Stein und Federn, (Birds without Wings, Louis de Bernières) in dem ein atemberaubend schönes Mädchen mit ihrer Nachbarin, eine tscherkessische Geliebte, Schönheit bespricht. Vor dem Spiegel zeigt die Geliebte, wie man Schönheit selbst schafft, wie man sie wie einen schimmernden Schleier um sich ziehen kann…Das Zitat da oben ist von diesem Buch genommen-

She was an imposter in half a dozen ways, and yet it seemed that God had smiled.

 

Es geht um das bildschöne Mädchen, Philothei.

Die Schönheit ist eine Bezauberung, man nimmt sie an. In dieser Weise über Schönheit zu denken gefällt mir.

 

Heute war es sonnig. Ich saß mit einem Freund zusammen, wir tranken Kaffee. Die Sonnenstrahlen wärmten mein Gesicht, und ich dachte an ein anderes Zitat in dem Buch l’écume des jours (Boris Vian): la lueur restait sur leurs lèvres/Das Leuchten blieb auf ihren Lippen. Mit tastbaren Sonnenstrahlen auf den eigenen Lippen habe ich endlich vergessen, dass ich keine Schminke trug, und habe über ein paar hübsche Franzosen angelächelt, die vorbei gingen.

“Steht dir irgendwie, keine Schminke zu tragen,” sagt der Freund.

 

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Bis jetzt, kein Erbrechen. Und weitere Meldungen des Tages…

Montag

Im Gegensatz zu meinen Erwartungen, versuchte niemand mich heute wiederzubeleben, wegen meiner geisterhaften Blässe. Gut. Ich hatte dieselben alltäglichen Probleme wie immer- zur rechten Zeit Hausaufgaben vorzubereiten, Bücher in die Bibliothek zu bringen, Romain Duris zu googeln, mir es klar machen, dass Romain Duris zu googeln NICHT HAUSAUFGABEN IST…Probleme, auf die jeder normale Mensch stoßt, oder?

Ich habe sogar entschieden, meinen Auftritt in der Öffentlichkeit zu verlängern, und ging mit einem Freund zu einem von dem Feminist-Verein organisierten Vortrag an der Uni, der unglaublich toll war. Der arme Ian, ich habe ihn überzeugt, mitzukommen aber habe glücklicherweise vergessen, ihn zu informieren, worum es ging. Kurz und knapp sagen wir mal, dass Ian jetzt sehr viel über die Geschichte und Etymologie jedes Wortes für Vagina weiß.

 

 

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Mein Traummann. Verschwitzt, Fahrrad, Filmstar, und mehrsprachig.

Ich verrate nie, wie lang es gedauert hat, dieses Foto zu wählen. Aber es war doch Hausaufgaben…und wir alle wissen, wie gründlich ich meine Hausaufgaben mache…

 

Dienstag

Niemand fragt mich, was los ist. Sind sie einfach zu höflich zu sagen, dass ich zerzaust wie der Arsch eines Dachses aussehe, als wir so schick im Dorf sagen? Eher möglich, dass es niemanden angeht und ist anderen einfach egal, wie ich aussehe. Das beweist, dass dieses ausgedachte Unbehagen nur in meinem Kopf ist, und es ist mir wichtig, schön auszusehen. Hmmm.

Am Abend, ging ich noch einmal zu einem tollen Vortrag, diesmal über die Unabhängigkeit von Schottland und künftige Zusammenarbeit mit Frankreich. Der Gast war ein französischer Abgeordneter im schottischen Parlament-  ein YES Befürworter, dessen Optimismus ansteckend war. Ich habe mich ihm nach der Rede zusammen mit einem französischen Freund genähert und wir haben ein bisschen gequatscht, und es ist uns gelungen, sogar auch einen französischen Linker zu finden, mit dem wir die französische politische Szene und die unangenehme knappe Verbindung zwischen Journalismus und Politik in Frankreich diskutieren konnten.  Ein erfolgreicher Abend!

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